Stellungnahme Rassismus ggü. FAZ

Stellungnahme zur Instrumentalisierung eines Schwarzen Menschen durch die FAZ

Zum Beitrag "Flüchtlinge in den Freiwilligendienst" FAZ vom 16.09.2015 von Kristina Schröder.

Der Artikel "Flüchtlinge in den Freiwilligendienst" (FAZ, 16.09.2015) beschreibt das (inzwischen durchgesetzte) Vorhaben, Geflüchteten Zugang zum Bundesfreiwilligendienst zu ermöglichen.

Für den Artikel wurde ein Beitragsbild (copyright: Cornelia Sick) des ehemaligen Freiwilligen Shaban Masengesho verwendet. Allerdings handelt es sich bei Herrn Masengesho nicht um einen Geflüchteten, sondern einen Süd-Nord-Freiwilligen, der vom ruandischen Verein Akanyoni Kaguruka nach Deutschland entsendet wurde, wo der Verein Zugvögel e.V. ruandische Freiwillige empfängt. Herr Masengesho ist inzwischen wieder in Ruanda, wo er als freier Fotograf arbeitet. Im Zusammenhang mit dem Artikel wird er als Vorzeige-Geflüchteter dargestellt. An keiner Stelle wird erwähnt, dass es sich hier um einen Süd-Nord-Freiwilligen handelte. Herr Masengesho erfuhr nur durch Zufall von der Verwendung des Bildes, auf dem er zu sehen ist. Die Bitte Herrn Masengeshos um eine Richtigstellung und seine Kritik am Vorgehen der FAZ von Anfang Oktober blieben bislang unbeantwortet.

Das Verhalten der FAZ kritisieren wir, denn es ist aus mehreren Gründen problematisch. Herr Masengesho wird wörtlich als "Vorbild" für Geflüchtete im BFD betitelt. Es werden keine weiteren Informationen gegeben, um wen es sich auf dem Bild tatsächlich handelt. Das Bild von Herr Masengesho wurde offensichtlich aufgrund seiner Hautfarbe bzw. "afrikanischen" Herkunft gewählt. Es scheint außerdem egal zu sein, dass Herr Masengesho aus einem Land kommt, aus dem prozentual wenige Menschen nach Deutschland flüchten. Er muss herhalten als Substitut für "afrikanische Geflüchtete". Dabei kommen mehrere Annahmen zum Tragen. Die Instrumentalisierung der Hautfarbe führt dazu, dass auf in Deutschland lebende Schwarze Menschen das Stereotyp einer geflüchteten Person projiziert wird. Zumindest wird weiter eine nichtdeutsche Herkunft mit Schwarzen Menschen assoziiert. Diese Instrumentalisierung funktioniert nur durch die leider immer noch gesellschaftlich vorherrschende Verknüpfung von Schwarzsein mit Armut, Hilfsbedürftigkeit und eben „auf der Flucht sein“. Hier wird nicht nur eine weiße Annahme reproduziert, nach der Schwarze Menschen Geflüchtete sind oder zumindest nichtdeutscher Herkunft, sondern auch Weißheit zur Norm für Deutsche erhoben. Das Bild von Schwarzen Menschen bzw. People of Colour, das aufrecht erhalten wird, dient einer vereinfachten Einordnung, wird aber den kategorisierten Menschen nicht gerecht. Die FAZ versucht hier, durch die rassistische Verwendung von Bildern, Glaubwürdigkeit zu erlangen, indem sie sich scheinbar medial stark aufstellt.

Wir fordern die FAZ dazu auf, das Bild Herrn Masengeshos im Zusammenhang mit dem erwähnten Artikel nicht mehr zu verwenden und einen Artikel zur Richtigstellung zu publizieren. Journalistische Seriosität verlangt sowohl, die Persönlichkeitsrechte Einzelner zu respektieren und die Betroffenen gegebenenfalls zu kontaktieren. Zudem erwarten wir für die Zukunft ein stärkeres Bewusstsein der FAZ zu diesem Thema, damit eine solche Instrumentalisierung, wie von uns beschrieben, nicht mehr geschieht.

Zugvögel, interkultureller Süd-Nord-Austausch e.V.

Update(05.12): Das Foto wurde mittlerweile entfernt, eine Richtigstellung fehlt allerdings noch.

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