Rund um den Verein

Fliegender Wechsel

Für einige Freiwillige ging im vergangenen Monat ihr Dienst mit den Zugvögeln zu Ende. Ende Juli veranstaltete die Leipziger Regionalgruppe der Zugvögel somit ein Abschlussseminar mit den beiden Freiwilligen Marthe aus Ruanda und Nass aus Nepal. In den einladenden Räumen der ArchitekTür im Herzen Leipzigsverbrachten Freiwillige und Zugvögel ein spannendes Wochenende. Drei Tage buntes Programm sollten Raum zur Reflexion bieten: Vom Rückblick bis zum Ausblick, der kritischen Auseinandersetzung mit Freiwilligenarbeit bis hin zu einer Traumreise. Und zum Abschluss gab es noch ein Picknick mit der ganzen Regionalgruppe.

Für Nass markierte das Abschlussseminar allerdings noch nicht das Ende seines Freiwilligendienstes. Nass ́ Einsatzstelle – die Sportjugend Rheinland-Pfalz – ist sehr zufrieden mit seiner Arbeit und möchte ihn gern noch länger als Freiwilligen beschäftigen. Zudem hat Nass im Laufe des letzten Jahres eine Führerschein gemacht, sodass er nun zum Beispiel allein mit dem Spielmobil der Sportjugend zu Veranstaltungen fahren kann, was eine große Unterstützung für das Projekt darstellt. Unser Verein ist seit der Verlängerung nicht mehr Vertragspartner von Nass, bleibt ihm aber über Freundschaften weiter verbunden und wünscht ihm für das verbleibende halbe Jahr alles Gute!

Während für die einen ihr Dienst mit den Zugvögeln zu Ende geht, beginnt er für andere gerade erst: Sechs junge Menschen aus verschiedenen Ecken der Welt sind seit Ende August in Deutschland und mittlerweile schon in ihren neuen Heimatstädten angekommen.

Leider gestaltete sich auch diesmal die Vergabe der Visa zum Teil als hürdenreich. Dies führte dazu, dass zwei der Freiwilligen aus Ruanda erst zwei Tage nach Beginn des Ankunftsseminars einreisen konnten. Noch ein Anlass mehr, unsere Kampagne zur unfairen Vergabepraxis von Visa weiter voranzutreiben. Mehr dazu in der Rubrik "Visa Wie?".

Da das Ankunftsseminar für eine ganze Woche angesetzt war, zwang uns die verzögerte Ausstellung der Visa zwar zur Improvisation, doch es gelang uns trotzdem, ein erfolgreiches Seminar auf die Beine zu stellen. Sudarshan aus Nepal, Paola und Andrea aus Ecuador sowie Ernest und Richard aus Ruanda lernten während ihrer ersten Tage zunächst mal eine ländliche Seite Deutschlands kennen: Das von den Regionalgruppen Ruhrgebiet und Münster organisierte Seminar fand im Dorf Hembergen im Münsterland statt. Freiwillige wie Teamer_innen empfanden die Atmosphäre während der gemeinsamen Tage als freundschaftlich und offen. So war eine gute Basis für die Auseinandersetzung mit interkultureller Wahrnehmung, Erwartungen und Ängsten bezüglich des bevorstehenden Jahres und für einen eintägigen Empowerment-Workshop gegeben. Neben Organisatorischem fand sich auch noch die Zeit für ein spannendes Planspiel zu internationalen Beziehungen. Ein Höhepunkt für alle Beteligten war sicherlich die Stadtrallye durch Münster, bei der es galt, Aufgaben des Alltags in spielerischer Form zu bewältigen.

Paola Solís aus Ecuador berichtet von ihrer ersten Zeit in Deutschland:

„Das Abenteuer beginnt... Meine Zeit in Deutschland zählt schon jetzt zu den besten Erfahrungen meines Lebens. Es kommen viele Gefühle auf beim Landen in einem fremden Teil der Welt. Aber das Schönste war, zu wissen, dass viele Leute auf dich warten. Leute, die dich noch nicht kennen, aber nichtsdestotrotz deinen Namen wissen und dich besser kennenlernen möchten. Ich habe das Ankunftsseminar in der Nähe von Münster genossen. Ich habe gute Menschen getroffen, mit denen ich mich unterhalten konnte, mit denen ich lachen und lernen konnte und wunderbare Momente teilte. Das Wichtigste war, dass ich mich in keinem Moment allein oder traurig gefühlt habe. Es ist unglaublich, wie sich verschiedene Menschen an einem Ort treffen können! Wir sind in dieser Generation sechs Freiwillige, jede_r mit einer eigenen Geschichte... Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa vereint an einem Ort... teilend und das Leben genießend. Ich bin nicht nur eine einzelne Person, wir sind nicht nur zwei Freiwillige aus Ecuador, wir sind nicht einfach nur sechs Freiwillige – wir sind viele Menschen, die durch ein Gefühl geeint sind, ganz ohne Grenzen. Ich bin mittlerweile in Bayreuth, wo ich meine Freiwilligendienst leisten werde. Ich genieße jedes Detail. Meine Regionalgruppe und meine Begleiter_innen haben mich sehr gut in Empfang genommen. Ich möchte den Zugvögeln und den Aves de Paso in Ecuador für diese Erfahrung danken! Dieses Jahr hat gerade erst begonnen und hält sicher noch viele Überraschungen für uns bereit.“

Newsletter Juni '14

Es ist mal wieder so weit: ein aktueller Newsletter berichtet von Allem was die Zugvögel die letzten drei Monate auf Trab gehalten hat. Neben den Neuigkeiten aus den einzelnen Regionalgruppen sowie den Partnerländern geht es diesmal insbesondere um die Mitgliederversammlung im Mai auf der Burg Lohra und die dort beschlossenen Änderungen. Außerdem gibt es eine erste Aussicht auf die mit Spannung erwartete kommende Freiwilligengeneration mit Allem was dazu gehört. Hinweis: Es werden Gastfamilien gesucht!

Zum Newsletter.

Nachtrag zu „Eine Freiwillige ist in Deutschland – Ein kleiner Erfolg“

Nach langem Warten haben wir, von der deutschen Botschaft in Uganda, den noch ausstehenden Ablehnungsbescheid erhalten. Die Gründe für die Ablehnung des Visums sind für die Freiwilligen wie auch vom gesamten Verein nicht nachvollziehbar. Wir danken allen Menschen die uns in diesem Fall unterstützt haben. Alles Weitere zur politischen Auseinandersetzung mit dem Visaverfahren, finden Sie hier.

MV auf der Burg Lohra

Die Burg Lohra war dieses Jahr unsere Herberge für die Frühjahrsmitgliederversammlung (MV). Die Zugvögel kamen aus allen Ecken Deutschland zusammen um sich vom 8. bis 11. Mai unter den Regionalgruppen auszutauschen, inhaltlich zu diskutieren und neue Entscheidungen für die Ausrichtung des Vereins zu treffen. Entgegen der vorherigen Orte waren wir hier abgeschottet von jeglicher Zivilisation, um uns voll und ganz auf unsere Arbeit und die vielfältigen Inhalte konzentrieren zu können.

Das Programm war, wie gewohnt, prall gefüllt und der Stoff für Diskussionen nicht zu knapp. Selbst der Wintereinbruch im Plenarsaal konnte uns nicht von ausführlichen Diskussionen abhalten. Ein wesentlicher Punkt wird sich nun in der Zugvögel-Arbeit ändern. Wir haben uns schon immer als einen politischen Verein verstanden, werden also solcher nun aber auch verstärkt aktiv werden. Wir wollen uns als Verein in Diskussionen einmischen, Position beziehen und dafür einstehen. In diesem Zuge habe wir unser Selbstverständnis überarbeitet. Ein großes nächstes Projekt wird eine Visakampagne sein, mit der wir auf Ereignisse des letzten Jahres reagieren werden. Außerdem wollen wir unsere eigene Arbeit kritisch reflektieren und eine Rassismuskritische Prozessbegleitung durchführen, die uns dabei helfen wird, unsere Struktur und Arbeit aus einer rassismuskritschen Perspektive zu überdenken und, wo notwendig, neu zu gestalten. Um dieses neue Aufgabenfeld zu koordinieren und in der Organisation des Vereins zu verankern, wurde eine neue Stelle im Orga-Team geschaffen. Die inhaltlichen Diskussionen, Abstimmungen bis in die Nacht und Präsentationen der inhaltlichen Vorbereitung in Kleingruppen nahmen auf der MV viel Platz ein.

Aber eine MV wäre keine MV der Zugvögel, wenn es zur Entspannung nicht leckerstes Essen und eine Party bis in die Morgenstunden gäbe. So traten wir die Reise in unsere Heimatneste zwar mit tiefen Augenringen wieder an, sind aber auch gleichzeitig voll Energie und Motivation für die neuen Aufgaben und Herausforderungen, die uns in der nächsten Zeit erwarten.

wir sind zu finden auf