Rund um den Verein

Newsletter Juni '14

Es ist mal wieder so weit: ein aktueller Newsletter berichtet von Allem was die Zugvögel die letzten drei Monate auf Trab gehalten hat. Neben den Neuigkeiten aus den einzelnen Regionalgruppen sowie den Partnerländern geht es diesmal insbesondere um die Mitgliederversammlung im Mai auf der Burg Lohra und die dort beschlossenen Änderungen. Außerdem gibt es eine erste Aussicht auf die mit Spannung erwartete kommende Freiwilligengeneration mit Allem was dazu gehört. Hinweis: Es werden Gastfamilien gesucht!

Zum Newsletter.

Nachtrag zu „Eine Freiwillige ist in Deutschland – Ein kleiner Erfolg“

Nach langem Warten haben wir, von der deutschen Botschaft in Uganda, den noch ausstehenden Ablehnungsbescheid erhalten. Die Gründe für die Ablehnung des Visums sind für die Freiwilligen wie auch vom gesamten Verein nicht nachvollziehbar. Wir danken allen Menschen die uns in diesem Fall unterstützt haben. Alles Weitere zur politischen Auseinandersetzung mit dem Visaverfahren, finden Sie hier.

MV auf der Burg Lohra

Die Burg Lohra war dieses Jahr unsere Herberge für die Frühjahrsmitgliederversammlung (MV). Die Zugvögel kamen aus allen Ecken Deutschland zusammen um sich vom 8. bis 11. Mai unter den Regionalgruppen auszutauschen, inhaltlich zu diskutieren und neue Entscheidungen für die Ausrichtung des Vereins zu treffen. Entgegen der vorherigen Orte waren wir hier abgeschottet von jeglicher Zivilisation, um uns voll und ganz auf unsere Arbeit und die vielfältigen Inhalte konzentrieren zu können.

Das Programm war, wie gewohnt, prall gefüllt und der Stoff für Diskussionen nicht zu knapp. Selbst der Wintereinbruch im Plenarsaal konnte uns nicht von ausführlichen Diskussionen abhalten. Ein wesentlicher Punkt wird sich nun in der Zugvögel-Arbeit ändern. Wir haben uns schon immer als einen politischen Verein verstanden, werden also solcher nun aber auch verstärkt aktiv werden. Wir wollen uns als Verein in Diskussionen einmischen, Position beziehen und dafür einstehen. In diesem Zuge habe wir unser Selbstverständnis überarbeitet. Ein großes nächstes Projekt wird eine Visakampagne sein, mit der wir auf Ereignisse des letzten Jahres reagieren werden. Außerdem wollen wir unsere eigene Arbeit kritisch reflektieren und eine Rassismuskritische Prozessbegleitung durchführen, die uns dabei helfen wird, unsere Struktur und Arbeit aus einer rassismuskritschen Perspektive zu überdenken und, wo notwendig, neu zu gestalten. Um dieses neue Aufgabenfeld zu koordinieren und in der Organisation des Vereins zu verankern, wurde eine neue Stelle im Orga-Team geschaffen. Die inhaltlichen Diskussionen, Abstimmungen bis in die Nacht und Präsentationen der inhaltlichen Vorbereitung in Kleingruppen nahmen auf der MV viel Platz ein.

Aber eine MV wäre keine MV der Zugvögel, wenn es zur Entspannung nicht leckerstes Essen und eine Party bis in die Morgenstunden gäbe. So traten wir die Reise in unsere Heimatneste zwar mit tiefen Augenringen wieder an, sind aber auch gleichzeitig voll Energie und Motivation für die neuen Aufgaben und Herausforderungen, die uns in der nächsten Zeit erwarten.

Brief von Mauro

Liebe Freunde in Deutschland, nun ist bald ein Jahr vergangen, seit dem ich aus diesem Land voller wunderbarer Menschen zurückgekehrt bin, dass es scheint, als wäre es gestern gewesen, als ich zum ersten Mal den Flughafen in Frankfurt betrat. Viele Dinge haben sich geändert in diesem Moment: das Klima, die Menschen, die Zeitzone, Dinge unter vielen andern, welche die Unterschiede zwischen beiden Ländern ausmachen.

Ich glaube, dass das komplizierteste in Deutschland, abgesehen von der Kälte, ist, fast nicht verstehen zu können, was gesagt wird; die Sprache hat mir vieles für eine geraume Weile erschwert. Der Anfang meines einjährigen Freiwilligendienstes beinhaltete auch weitere Probleme, am Anfang ist es sehr schwierig das zu verstehen, was mit dem kulturellen Austausch zusammenhängt. Aber nach einer Weile habe ich verstanden, dass es etwas gewaltiges ist; ich kann sagen, dass die fehlende Fähigkeit sich auf Deutsch ausdrücken zu können, und dazu noch der Winter und der Kulturschock, sind Gründe, die viele von einem Jahr in Deutschland abhalten oder zu einem Abbruch des Freiwilligendienstes verleiten würden.

Aber ich glaube auch, dass der Mensch ein Wesen ist, das sich an alles gewöhnen kann, und so geschah es mit mir; da ich nicht sprechen konnte, widmete ich mich dem Beobachten, um alles zu beobachten, was um mich herum geschah, auch in das kleinste Detail, alles mit dem Eifer zu verstehen, was mir die Leute sagen wollten. Durch diese Haltung konnte ich auch verstehen, dass die Menschen nicht immer so sind, wie sie vorgeben zu sein. Ich glaube persönlich, dass ich viel mehr sah als die Leute in den anderen sehen.

Mein Freiwilligendienst verlief sehr gut. Ich lernte unglaublich viel von diesem großen Land kennen. Ich hatte das Privileg gute Freunde zu finden, Menschen, die immer für mich da waren, um mich zu unterstützen, wo ich es brauchte, die immer um mein Wohl besorgt waren.

Ich realisierte meinen Freiwilligendienst im Demeter-Bauernhof Wörme. Dort lernte ich viele Jugendliche kennen, die im Wesentlichen beinahe so über die Welt dachten, wie ich es tue. Wir konnten Probleme analysieren, die wir heutzutage haben und die uns alle betreffen, z.B. die Tatsache, dass in der Welt eine große Menge von Lebensmitteln produziert wird, die nicht gleichmäßig verteilt wird; oder die Problematik, dass die jüngeren Generationen fast nicht wissen, wo Dinge produziert werden und wie viel das kostet. Ich kann sagen, dass ich mich nach ungefähr fünf Monaten zu Hause fühlte, mit den normalen Problemen und Widersprüchlichkeiten einer Familie, aber ich fühlte mich wie zu Hause.

Nach einer guten Zeit entschied ich, das Projekt zu wechseln. Ich wollte mehr kennenlernen, ich wollte wissen, wie es sich anfühlt, in einer deutschen Familie zu leben. Darum zog ich im neunten Monat nach Osnabrück um und hatte das Privileg, mit einer Familie zu leben, eine Familie, die mir so vieles gegeben hat, wundervolle Menschen, die mir auch das Gefühl gaben, zu Hause zu sein. Und dort lebte ich fast ein halbes Jahr, bis mein Freiwilligendienst endete.

In Osnabrück arbeitete ich auch in einem Hof mit organischen Produkten, aber dieser hat die Besonderheit mit Menschen mit Behinderung zu arbeiten. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was das für mich bedeutete. Meine Geduld und mein Wissen bezüglich der Sprache und der Agrikultur, wurden auf die Probe gestellt. Heute kann ich sagen, dass ich diese wunderschönen Orte sehr vermisse, in denen ich meinen Freiwilligendienst absolvierte.

Als ich in Deutschland war, konnte ich auch eine Problematik beobachten, die bis heute besteht; denn mich – und viele, die aus Lateinamerika sind – werden immer mit Fragen belästigt wie: Gibt es Internet in Ecuador? Oder: Gibt es Computer in Ecuador? Solche Dinge, die mich manchmal zum Lachen veranlassten, und mich manchmal verärgerten. Die internationale Fokussierung auf den Hunger in der Welt ist auch etwas, worauf meine Aufmerksamkeit gelenkt wurde, z.B. wird gesagt, dass wir arm sind, aber warum? Können wir sagen, dass es in Ecuador nicht das Niveau an Verschwendung und Abfall wie in Europa gibt, aber arm? Man muss eine andere Definition dieses Wortes geben. Etwas, das auch meine Aufmerksamkeit weckte, waren die Fragen, die mir in einem Interview gestellt wurden und eine Frage war: Mauro, was hast du in Deutschland gelernt, das du nun mit nach Ecuador nehmen kannst, um den „armen“ Menschen zu helfen? Ich antwortete: ich habe gelernt, dass mein Land wunderschön ist und die Menschen freundlich und fröhlich; wir haben Probleme, wie alle anderen Länder auch, aber was ich vor allem gelernt habe in Deutschland ist mein Land wertzuschätzen.

Jetzt bin ich beinahe ein Jahr wieder in Ecuador und kann sagen, dass ich häufig vermisse, wieder in Deutschland zu sein.

Lesen Sie weiter für den spanischen Originalbrief.

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